Ein Zylinder ist in der Mathematik vereinfacht gesagt eine Röhre. Auch in der Technik finden Zylinder Anwendung. Hier handelt es sich um Bauteile die eine auf sie einwirkende Kraft in Bewegung umsetzen. Beispiele aus der Frühzeit der Industrialisierung sind die Zylinder der Dampfmaschine, die von James Watt erfunden und zum Antrieb von Webmaschinen, Dreh- und Schleifmaschinen und später auch zum Antrieb von Dampfloks Verwendung fanden. Im Zylinder befindet sich dabei ein Kolben, dessen Durchmesser nur wenige hundertstel Millimeter kleiner ist als der Innendurchmesser des Zylinders. Beaufschlagt man den Zylinder durch ein Ventil mit Druck, wird der Kolben aus dem Zylinder herausgedrückt. Durch eine am Kolben angebrachte Pleuelstange die auf eine Schwungscheibe wirkt kann die lineare Bewegung des Kolbens im Zylinder in eine Kreisförmige umgewandelt werden. Dadurch wurde es möglich, die genannten Webstühle oder Dampfloks an zu treiben.
Mit der weiteren technischen Entwicklung, und insbesondere durch den Verbrennungsmotor kam dem Zylinder eine neue Bedeutung zu. Die Beanspruchung beim Verbrennungsmotor ist völlig anders als bei der Verwendung in einer Dampfmaschine. Es musste möglich sein, ein zündfähiges Gas-Luft Gemisch in den Zylinder zu leiten, dieses Gemisch zu verdichten, zu zünden und nach dem Expandieren wieder aus dem Zylinder hinaus zu leiten. Der technische Fortschritt führte mit der Zeit dazu, dass Motoren nicht mehr nur mit einem Zylinder gebaut wurden, sondern auch mit mehreren. Heute sind vor allem im Fahrzeugbau Motoren mit 4 Zylindern üblich, wobei es auch Fahrzeugmotoren mit 6, 8 oder noch mehr Zylindern gibt. Die Bemühungen, Motoren zu entwickeln die weniger Kraftstoff verbrauchen führten auch zu Motoren mit nur 3 Zylindern. Möglich wurden ungerade Zylinderzahlen durch den Einsatz von gegenläufigen Ausgleichswellen, die einen ruhigen Motorlauf trotz ungerader Zylinderzahl ermöglichen.
Durch die hohen Anforderungen an das Material bei schnell laufenden, modernen Motoren muss jeder Zylinder eine Innenfläche haben, die gegen schnellen Verschleiss geschützt ist. Hierzu werden verschiedene Beschichtungsverfahren gewählt, die für eine harte Oberfläche sorgen. Durch den Einsatz von Öl wird der Verschleiss noch weiter gemindert und eine geringere Reibbung der Materialien aneinander gewährleistet.
